Der Taizénapf
Schlichtheit in Vollendung Was dem Bettlermönch seine Tonschale ist dem Taizébesucher sein Napf
Altersbestimmung: Wenn ihr großes Glück habt, erwischt ihr noch eines der seltenen, von den Aposteln handsignierten Exemplare. Ähnlich wie sich das Alter eine Baumes an den Jahresringen bestimmen läßt, hilft euch hier die Auswertung der teilweise schon versteinerten, ringförmigen Sedimente langjähriger Benutzung weiter. Frisch aus dem Ei geschlüpfte Näpfe leuchten in einem hellen Rot, die uralten kampferprobten Veteranen wurde von der äonenlangen Konfrontation mit löslichem Kaffee, Kakao und Zitronentee dunkel gebeizt. Das Innere dieser rüstigen Greise fühlt sich samtig an, als wären sie nicht gespült sondern sandgestrahlt worden.
Versagt diesen lebenden Zeugen der Geschichte eure Ehrfurcht nicht, und behandelt sie mit dem angemesssen Respekt.
Bahnbrechende Neurerungen: Bereits seit einiger Zeit hat die Farbe Rot Verstärkung durch einige ihrer Artgenossen erhalten. Die revolutionärste Änderung ist aber sicherlich die Deluxe-Variante des Taizénapfes mit seitlichen Griffleisten. Bei dem Anblick der ersten Prototypen glitzerten selbst in den Augen abgebrühter Taizéveteranen Tränen der Rührung.
Physikalische Größen: Die isolierende Wirkung der Näpfe entspricht in etwa der eines Netzhemdes. Heißes wird rasch kalt und kaltes wird noch kälter, dadurch wird die Gefahr von Verbrennungen wirkungsvoll minimiert. Die hohe Elastizität erfordert eine vorsichtige Handhabung. Einer Verstärkung des Griffs gibt das Material mühelos nach, allerdings fühlt sich der Inhalt dadurch zu Abstechern in die Freiheit animiert. Im Falle einer - in Taizé extrem unwahrscheinlichen - Massenschlägerei, wären die gesunheitlichen Folgen für die Be- bzw. Getroffenen weit weniger drastisch, als beim Einsatz bayerischer Maßkrüge.

